Pünktlich um 08.00 Uhr versammelte sich die gut gelaunte Reisegruppe in Oensingen. Reiseleiter Nik Wendelspiess hatte das Wochenende minutiös geplant – was bei einem Vorstand ungefähr dem Schwierigkeitsgrad entspricht, einen Sack Flöhe zu hüten. Chauffeur Jonas übernahm die Verantwortung für den Kleinbus und brachte seine Passagiere trotz reger Diskussionen auf den Rücksitzen jederzeit sicher ans Ziel.
Bereits an der Raststätte Gruyère wartete der erste Höhepunkt. Nik hatte Sandwiches vorbereitet, die derart gut schmeckten, dass kurz darüber nachgedacht wurde, den weiteren Reiseplan zu streichen und den Rest des Tages auf dem Parkplatz zu verbringen.
Nach dieser Stärkung führte die Reise zum unterirdischen See von St. Léonard. Während der Bootsfahrt wurde es ungewohnt ruhig. Ob dies an der beeindruckenden Kulisse lag oder daran, dass einige Vorstandsmitglieder überlegten, wie man dort unten wohl eine Kegelbahn bauen könnte, konnte nicht abschliessend geklärt werden.
In Salgesch wurden wir vom Vorstand des Walliser Ladenkeglerverbandes herzlich empfangen und in die Geheimnisse des Ladenkegelns eingeführt. Dass Kegeln auch ohne unsere gewohnten Bahnen funktioniert, wurde zwar bewiesen – ob es alle gleich gut beherrschten, steht auf einem anderen Blatt. Die Resultate bewegten sich irgendwo zwischen "beeindruckend" und "mit viel Luft nach oben". Namen werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes selbstverständlich keine genannt. Die Beteiligten wissen ohnehin selbst, wie sie gespielt haben.
Nach den sportlichen Strapazen führte der Weg zur Weinkellerei von Edmund Constantin. Dort wurden wir mit Walliser Spezialitäten und ausgezeichneten Weinen verwöhnt. Bereits nach kurzer Zeit war klar: Die Gastfreundschaft des Walliser Ladenkeglerverbandes ist mindestens so treffsicher wie dessen Kegler. Ein herzliches Dankeschön an Edmund und den gesamten WLKV für den grossartigen Empfang. Wer behauptet, Kegler könnten nicht geniessen, war definitiv noch nie im Wallis.
Am Abend bezogen wir das Hotel du Pont in Brig. Nach Apéro und Nachtessen wurden die Gespräche immer angeregter. Es wurden alte Geschichten erzählt, neue Ideen geboren und vermutlich auch das eine oder andere Problem des Schweizer Kegelsports endgültig gelöst. Leider konnte sich am nächsten Morgen niemand mehr genau erinnern, welche Lösungen das gewesen wären.
Nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse blieb noch Zeit für einen Bummel durch Brig. Glücklicherweise waren die meisten Geschäfte geschlossen. Das verhinderte grössere finanzielle Schäden und ersparte den Daheimgebliebenen die Frage, weshalb plötzlich ein Walliser Souvenir das Wohnzimmer ziert.
Anschliessend ging es hinauf auf die Moosalp auf rund 2'000 Metern über Meer. Die Strasse dorthin verlangte Chauffeur Jonas einiges ab. Spätestens nach der dritten Spitzkehre war allen klar, weshalb Reiseleiter Nik immer wieder betonte: «Jetzt wird's gleich noch schöner.» Er hatte recht. Die Aussicht entschädigte für jede Kurve und beim ausgezeichneten Mittagessen genossen wir die Bergwelt in vollen Zügen. Dass danach niemand mehr Lust auf eine Bergwanderung verspürte, dürfte ausschliesslich am hervorragenden Essen gelegen haben.
Der Heimweg führte über Goppenstein, den Autoverlad durch den Lötschberg, das Kandertal und Spiez zurück Richtung Heimat. Im Kleinbus wurde es zunehmend ruhiger. Einige genossen die Landschaft, andere schlossen vorsorglich die Augen – selbstverständlich nur, um Kräfte für die nächste Vorstandssitzung zu sammeln.
Zum Schluss noch ein Thema, das erfahrungsgemäss schneller diskutiert wird als jede Reglementsänderung: Wer hat das eigentlich bezahlt? Die Antwort ist einfach: Die Reise wurde vollständig privat finanziert. Die Mitglieder des Zentralvorstandes haben über viele Jahre ihre persönlichen Sitzungsgelder angespart und damit dieses Wochenende selbst bezahlt. Es wurde kein einziger Franken aus Mitgliederbeiträgen oder aus der Verbandskasse verwendet.
Bleibt noch eines festzuhalten: Zwei Tage ohne Traktandenliste haben dem Zentralvorstand offensichtlich nicht geschadet. Im Gegenteil – mit vielen schönen Erinnerungen, neuen Eindrücken und gestärktem Teamgeist kehrten alle wohlbehalten nach Hause zurück.
Und wer jetzt glaubt, der nächste Vorstandsausflug finde bereits nächstes Wochenende statt, den müssen wir enttäuschen: Zuerst müssen wieder einige Jahre Sitzungsgelder angespart werden.